Kompetenztag zum Thema Demenz

Demenz-Servicezentrum Region Münster und das westl. Münsterland - am 28. Nov 2016

Etwa 120 Teilnehmer folgten der Einladung des Netzwerkes Demenz zu einem Kompetenztag für pflegende Angehörige.

Kompetenztag zum Thema Demenz


Etwa 120 Teilnehmer folgten der Einladung des Netzwerkes Demenz zu einem Kompetenztag für pflegende Angehörige. Sie kamen im Casino zusammen und konnten einige Stunden lang die Gelegenheit wahrnehmen, in einen persönlichen Austausch zu kommen und zwei Vorträge zu verfolgen.

Zunächst dankte Jutta Ehlting vom Seniorenbüro der Stadt Bocholt ihrer Kollegin Ingrid Thuilot für die Organisation der Veranstaltung und begrüßte Melanie Neumann aus Münster zu ihrem Vortrag mit dem Thema:

„Ich muss, ich muss, ich muss!“

Damit ist die Situation vieler Pflegender umrissen, die sich ständig überfordert fühlen und möglicherweise Krankheitssymptome entwickeln oder sich emotional überfordert fühlen. Dem sei nicht allein mit kurzen Auszeiten zu begegnen, stellte Melanie Neumann fest und präsentierte die Methode der Introvision. Sie empfahl dazu, die Mussvorstellungen zu hinterfragen, die weitgehend unbewusst unser Handeln steuern. Anknüpfend an das Modell von Sigmund Freud zeigte sie, dass unser bewusstes Sein wie die Spitze eines Eisbergs ist, dessen große Masse unter dem Wasser verborgen ist und uns weitgehend unbewusst bleibt, aber unsere Emotionen steuert.

Das sind vor allem Ängste davor, etwas zu tun, das uns die Liebe unserer Nächsten verlieren lässt. Der Wunsch nach Anerkennung ist eine Triebfeder, die Angst und damit Stress auslösen kann. Sich dies bewusst zu machen, kann ein erster Schritt sein auf dem Weg, die eigenen Ängste zu akzeptieren und bewusst mit ihnen zu leben, statt sich von ihnen tyrannisieren zu lassen.

Humor trotz(t) Demenz

Unter diesem Titel stand der Vortrag von Prof. Dr. Rolf D. Hirsch aus Bonn. Auf seiner Website zeigt er sein Verständnis von Humor:

„Humor wird als ein zwischenmenschliches Verhalten und Erleben beschrieben, welches heiter und spielerisch dem Unbill des Lebens mit seinen Widersprüchlichkeiten trotzt. Sehr unterschiedlich ist der Sinn für Humor bei jedem ausgeprägt. Doch ist zumindest „etwas“ Humor lebenslang lernbar und kann zu einer optimistischeren Lebenseinstellung, zu einem freundlicheren Umgang mit sich selbst und anderen führen. Jeder Ärger, jedes Missgeschick, jede Enttäuschung haben eine positive, eine negative und eine komische Seite. Humor fördert die Wahrnehmung und führt zu einer heiteren bzw. weisen Einstellung und Handlung. Als Lebens- und Überlebensstrategie ist sie eine fröhliche Ressource.“

„Ich bin ein Clown und sammle Augenblicke“ (H. Böll)

In unzähligen Beispielen aus dem eigenen Erleben zeigte Prof. Hirsch, wie Humor dem Alltag von Menschen mit Demenz heitere Augenblicke schenkt. Auch wenn die Demenz die kognitiven und sozialen Fähigkeiten einschränkt, so bleibt doch die Gefühlslandschaft erhalten, auch der Sinn für Humor, das herzhafte Lachen und die Heiterkeit. In der Kommunikation mit erkrankten Menschen wird die Sprache immer unwichtiger, dafür gewinnen Körperhaltung, Gestik, Mimik, Geruch, Berührung und Erscheinungsbild an Bedeutung.

Wenn der Appell an die Einsicht bei Menschen mit Demenz nicht mehr wirkt, kann der Blöd-Sinn eines Helfenden eine wirksame Strategie sein, dem Erkrankten zu helfen. Nicht jede prekäre Situation muss sofort bewältigt werden, ein freundliches Ablenken, z. B. durch Singen oder Tanzen oder auch eine rote Clown-Nase können schwierige Situationen entschärfen.

Dazu müssen Helfende durchaus mutig sein. Sie müssen ihre eigene Unvollkommenheit hinnehmen, nicht jede Situation lehrbuchmäßig zu beherrschen, sie müssen sich selbst auch einmal der Lächerlichkeit preisgeben und schließlich auch einmal Widersinn oder Unsinn akzeptieren.

Das kann dazu beitragen, dass Menschen mit Demenz in Würde schwächer werden dürfen.

24.11.2016 09:06
Kategorie: Seniorenmagazin
Von: Barbara Heimbach