Museumsprojekt Münster 2012

Museumsführung für Menschen mit Demenz und ihre Begleiter

Die Begegnung mit Kunst wirkt belebend, sie berührt uns ganz unmittelbar, weckt Emotionen und regt die Sinne an. Kunst fördert den Austausch und kann neue, aber auch verschüttete Zugangswege zu persönlichen Erinnerungen und Empfindungen öffnen. Menschen mit Demenz haben auch mit ihrer Erkrankung Interessen, Wünsche und Ressourcen. Sie besitzen oftmals eine emotionale und schöpferische Kraft, die z.B. im Kontakt mit Kunst aktiviert werden kann. Ein Museumsbesuch bietet für Menschen mit Demenz und ihre Begleiter eine kleine Auszeit im Alltag und die Möglichkeit der sozialen und kulturellen Teilhabe. 

Programm

  • Zu Beginn steht das „Ankommen“ und Kennenlernen bei Kaffee und Kuchen. 
  • Danach geht es in die Sammlung des Museums. Hier betrachten die Teilnehmenden ausgewählte Gemälde oder Skulpturen. Unterstützt durch Requisiten (z.B. historische Kleidung, Alltagsgegenstände) nähern sie sich der Geschichte des Kunstwerks und des Künstlers. Moderiert von speziell geschulten Kunstvermittlerinnen haben sie dabei die Gelegenheit,  eigene Gedanken und Erinnerungen zu formulieren.  Ziel ist es, Kunst zu erleben und positive, stärkende  Begegnungen für alle Beteiligten zu ermöglichen.
  • Abschließend trifft sich die Gruppe im Atelier, um das Gesehene nachklingen zu lassen - im gemeinsamen Gespräch genauso wie im praktisch-kreativen Tun
  • Flyer (PDF)

**Neu** Führungen für Menschen mit Demenz - LWL-Museum für Naturkunde in Münster

Seit 2012 besteht im LWL-Museum für Naturkunde in Münster ein besonderes Angebot für Menschen mit Demenz. „Der Garten Eden – das Paradies“ findet in der Sonderausstellung „Tiere der Bibel“ (verlängert bis 6.1.2013) und in der Museumswerkstatt des Museums statt.Zwei „Paradiese“ sind ausgestellt: ein Fantasie-Dschungel und ein angelegter Garten. Die Inszenierungen zeigen verschiedene Vorstellungen des Menschen vom Paradies sowie die Bibelgeschichte von der Vertreibung Adams und Evas. Im Mittelpunkt des zweistündigen Angebots stehen die Pflanzen und Tiere. Tierpräparate aus dem Dschungel und die biblische Früchte aus dem Garten Eden, wie Feigen, Granatapfel, Weintrauben, Oliven und Datteln, sprechen verschiedene Sinne an und geben Anregungen zum Assoziieren und Erinnern. Ein Teil der ausgestellten Tiere steht zum Anfassen zur Verfügung. Sie vermitteln direkte sinnliche Eindrücke von der Beschaffenheit des Federkleides oder des Felles und helfen beim Entdecken von Exponaten. Die biblischen Früchte werden frisch, getrocknet oder in Form von Saft gekostet. Die Frage, ob es sich im Paradies um einen Apfel- oder einen Granatapfelbaum gehandelt hat, kann zwar nicht beantwortet werden, die Teilnehmer/-innen haben aber die Möglichkeit Beschaffenheit und Geschmack im direkten Vergleich zu testen. Weitere Angebote für Menschen mit Demenz sind in Vorbereitung.

  • Kosten pro Gruppe: 80,- € zzgl. 3,10 € Eintritt pro Person.
  • Anmeldungen unter Telefon 0251.591-6050
    (Servicezeiten: Mo-Fr 8.30-12.30 Uhr und Mo-Do 14.00-15.30 Uhr).
  • Flyer (PDF)

Museumsprojekt im Baumberger-Sandstein-Museum Havixbeck

Der Augenblick zählt

Sandsteinmuseum bietet Führung für Menschen mit Demenz und ihre Begleiter 

Ein neues Führungsangebot des Baumberger-Sandstein-Museums richtet sich an demenziell veränderte Menschen. „Blumen im Stein“ lautet das Thema der Führung.

Das Konzept hat Museumsleiter Dr. Joachim Eichler, der sich im Workshop des Demenz-Service-Zentrums Münster und anderen Fortbildungen kundig gemacht hat, in Kooperation mit dem Verein „Netzwerke Füreinander – Miteinander“ entwickelt. „Wir möchten Menschen mit Demenz und ihren Begleitern ein anregendes Kunsterlebnis und die Möglichkeit bieten, einen entspannten Nachmittag zu verbringen“, erläutert Dr. Eichler. „Das sinnliche Erlebnis steht im Vordergrund“, weiß auch Angelika Gromöller, Geschäftsführerin von Füreinander - Miteinander. „Trotz des langsamen Verlustes der kognitiven Fähigkeiten können kreative Ressourcen auch bei Demenz erhalten bleiben“, weiß die Diplom-Pflegepädagogin: „Frei werdende Emotionen beim Kunsterleben wirken positiv gegen das Vergessen.“

Die Führung beginnt mit einem Kaffeetrinken im Café des Museums. Das „Ankommen“ im fremden Haus wird durch die Wahrnehmung diese vertrauten Rituals erleichert. Bei allen weiteren Aktivitäten sorgt das Museum für solide und bequeme Sitzgelegenheiten.

Museumsleiter Dr.Joachim Eichler leitet die Führung, die gezielt für Menschen mit Demenz entwickelt wurde. Wenige ausgewählte Kunstwerke stehen dabei im Mittelpunkt der Betrachtung. „Wir möchten an Erinnerungen anknüpfen und die verschiedensten Assoziationen wecken“, erläutert Angelika Gromöller. Das können Rosen, Lilien oder Efeu sein, die in Sandsteinexponaten zu erkennen sind. Hochwertige Kunstblumen erleichtern das Erkennen der Blumen im Stein. Vielleicht sind es auch die Werkzeuge, die Erinnerung an einen früheren Museumsbesuch oder das Material des gelben Baumbergers, die Erinnerungen wecken.

 Dabei werden die verschiedenen Sinne wie sehen, hören, riechen oder fühlen einbezogen.

In einem abschließenden kleinen Workshop haben die Teilnehmer die Möglichkeit, selbst ein kleines Kunstobjekt zu gestalten. „Im aktiven Kunsterlebnis werden Erinnerungen und Lebensgeister geweckt“, erläutern die Organisatoren. Die Führungsteilnehmer können mit Wachsmalstiften Blumen auf den Stein malen, eine einfache florale Form im Sandstein freilegen oder sich von den zuvor erlebten Eindrücken leiten lassen.

„Wenn man sich auf sein Gedächtnis nicht mehr verlassen kann, zählt letztlich nur noch die Gegenwart“, wissen Angelika Gromöller und Joachim Eichler. Sie möchten, dass alle Führungsteilnehmer mit dem guten Gefühl nach Hause gehen: „Es war mein Tag, ich habe gemeinsam mit Gleichgesinnten den Augenblick genossen.“

„Ein Museum hat immer auch eine gesellschaftliche Aufgabe“, so Dr. Eichler. Es gelte zum einen, das Thema Demenz aus der Tabu-Zone zu befreien: „Demenziell veränderte Menschen haben das Recht, von einem Museum zu profitieren. Und die Museen müssen lernen, sich darauf einzustellen.“

ANMELDUNG:

Die Führung kostet einschließlich Kaffee und Kuchen pro Teilnehmer 15 Euro, Kaffee und Kuchen inbegriffen. Für Begleiter werden nur die Kosten des Kaffeetrinkens berechnet. Die Gruppengröße (insgesamt) sollte 20 Personen nicht überschreiten. Anmeldungen von Gruppen im Baumberger-Sandstein-Museum unter 02507-1604 oder sandsteinmuseum@havixbeck.de.